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 Ein Rundgang durch den Lava-Keller der Museumsmeile  in Mendig 


Eine Exkursion des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund am Nachmittag des 22. Juni 2018

Der Lava-Keller ist eine weitere Attraktion  der „Museumsmeile“ der Stadt Mendig mit dem Lava-Dom- Museum, dem Lava-Keller und der Museumslay.  Den  Lavakeller kann man nur mit einem Führer besichtigen. Der Führer der Exkursionsgruppe des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund war Herr Wolfgang Kostka, der die Gruppe bereits durch das  Lava-Dom- Museum geführt hatte.

Es ist nur ein kurzer Weg vom Museum zu dem Gebäude an der Brauereistraße 3, über das der Lava-Keller erreicht werden kann. Wie die Gruppe später wusste,  führte die Straße  über  Hohlräume unter ihren Füßen.  Die  Hohlräume der Lava-Keller.

Mendig ist auf einer Fläche von nahezu 2,8  km² unterkellert.  Die Keller wurden in  einer Tiefe von ca. 14 bis ca. 30 m erschaffen.   Die  heißen  Lavaströme des Wingertsberg-Vulkans flossen in die Richtung der heutigen Stadt Mendig. Die Basaltbildung setzte in der späteren Abkühlphase ein.  Die Abkühlung erfolgte von außen nach innen bzw. von oben nach unten.  Abkühlung bedeutet gleichzeitig Schrumpfung mit Rissbildung. Je schneller abgekühlt wird, umso schneller bilden sich Risse, die zur Kristallisation in sechseckigen oder fünfeckigen Basaltblöcken führten.   In einer Vielzahl von Stollen und Schächten wurde dieses  kostbare schwarze Baumaterial unterirdisch als Basaltlava ausgebeutet. So entstanden die Lavakeller.


  

Der Eingang zum Keller befindet sich in dem schönen Gebäude –natürlich mit Steinen aus  Basaltlava gemauert -, dass ab 1842 als Verwaltung für die erste Brauerei   in Mendig genutzt  wurde.  Später wurde es von einem Steinbruch- Besitzer erworben, der in der Nähe einen Steinbruch betrieb und es noch heute als Verwaltungsgebäude nutzt.
2005 hat die Stadt Mendig einen Teil des Gebäudes gepachtet, der  von der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft betrieben und genutzt wird. Dadurch ist der Weg in den Keller gesichert.
Außen vor der Eingangstreppe zu  einem  Ausstellungsraum  lagern drei Mühlsteine als Status dafür, dass Mendig ein Zentrum der Mühlstein-Herstellung war.  Einer ist aus römischer Zeit. Die Römer haben unter anderem  in Mayen einen Steinbruch betrieben, dort ist ein entsprechendes Museum eingerichtet.  Der zweite ist aus dem 13. Jahrhundert, er ist 800 kg schwer. Der Dritte ist ein Ausstellungsmühlstein, der auf der ersten Weltausstellung 1851 in London ausgestellt war und auch auf den Weltausstellungen von 1855  in Paris und 1862 in London gezeigt wurde. Freie Kreisscheiben weisen auf Medaillen hin, die der Mühlstein auf diesen Weltausstellungen bekommen hat. 2000 war er gleichfalls auf der Expo in Hannover  bzw. als dezentrales Projekt der Expo in  Steinbergen, einem Stadtteil von Rinteln in Niedersachsen.  Die „Erlebniswelt Steinzeichen“  in Steinbergen war ein naturorientierter Erlebnis- und Freizeitpark.   Leider ist sie bis auf weiteres geschlossen.   


 


In dem Ausstellungssaal empfängt jeder Teilnehmer der Exkursion einen Sicherheitshelm und auf Wunsch einen Friesennerz. Im Saal sind Mineralien und Gesteine aus dem Mendiger Raum  in Vitrinen und auf Tischen ausgestellt. Für die Exkursion verblieb keine Zeit, auf Einzelheiten einzugehen, aber die Steine dokumentieren die komplexe geologische Welt als Folge der Ausbrüche des Wingertsberg Vulkans und des Laacher-See-Vulkans. Am Exkursionstag des 23. Juni 2018 verblieb mehr Zeit, tiefer in diese Geologie einzutauchen.


   


Ein Profil des Lavastroms zeigt eine Karte aus 1871. Eine eindrucksvolle Handzeichnung, es ging  auch ohne Rechner.  Wolfgang  Kostka  lässt drei Steine herumgehen. Der erste ist ein Hartbasalt aus dem Dielstein  (Framm) des Lava-Flusses.  Die langsame Abkühlung führte zu einem sehr harten Stein, der aber in Mendig nicht abgebaut wurde bzw. erst nach 2005 im Tagebau des  Wingertsberg Steinbruchs.   Aufgrund des vielfältigen Vulkanismus i im Känozoikum  gab es genügend Steinbrüche in Deutschland, in denen Hartbasalt gewonnen wurde.
Anders ist es bei dem zweiten Stein, einem Stein aus Basalt-Lava. Aufgrund der schnelleren Abkühlung konnten Gase nicht schnell genug entweichen, es kam zu Hohlräumen, die sich integral wie scharfe Klingen auswirken.  Ideal für Mühlsteine.  Im Bereich des Lava-Basalts bildeten sich  oben die auf der Profilzeichnung dargestellten  kleineren  Säulen, die Siegel,  unten bildeten sich die dickeren Säulen, die Schienen.
Der Mendiger Basalt setzt sich wie folgt zusammen:
32,5 % Plagioklas
21,7 % Leucit
19,1 % Augit
13,5 % Nephelin
4,8 % Hauyn
4,2 % Magnetit
3,0 % Olivin
0,9 % Apatit
0,3 % Calcit 
Der dritte Stein ist ein Bimsstein, Resultat des Auswurfs des Laacher-See-Vulkans. Leicht (das spezifische Gewicht ist geringer als das des Wassers) und als „Reinigungsstein“ gut nutzbar.  Aber seit 1845 auch nutzbar als Rohstoff für Baumaterial.  Bis 1845 wurde  Basalt-Lava abgebaut, indem Stollen durch den Bims getrieben wurden.  Mit der Erfindung von Herrn Nebel, den Bims zu mahlen und ihn in mit Kalkmilch zu binden und zu Baumaterial zu verarbeiten, wurde Bims abgebaut und  Basalt-Lava auch im Tagebau abgebaut..


  
  

Das Resultat des Abbaus  im Tiefbau schaute sich die Exkursionsgruppe jetzt an. Über150 Stufen ging es über einen Tunnel  ca. 30 m in die Tiefe.  Die Wände des Tunnels spiegelten  200000 Jahre geologische Geschichte, es war absolut beeindruckend.


       


Beeindruckend war auch der Keller, der  sich auftat. Ein Hohlraum im Basalt-Lava, der von Menschen mit Hammer und Eisen geschlagen wurde.  Auf insgesamt 2,8 km², dies entspricht 390 Fußball-Feldern. 169 Schächte wurden durch den Bims getrieben,  die gewonnenen Steine wurden über die Schächte nach oben gefördert.  Nur ein kleiner Teil der Keller ist für die Öffentlichkeit frei gegeben, aber der Rundgang durch den frei gegebenen Teil gibt einen hervorragenden Eindruck über die Gesamtheit. Die Layer  beherrschten ihr Handwerk, es ist erstaunlich,  dass es trotz des Abbaus kaum Einstürze gab. Wo die stehen gelassenen natürlichen Stützen nicht ausreichend erschienen, wurde mit ergänzenden Stützen nachgeholfen.  Die Begehung des frei gegebenen Teils ist sicher, dies wird  durch das Bergamt kontrolliert.
Um Steine guter Qualität zu gewinnen, musste der Layer den Stein und dessen „musikalische“ Reaktion kennen. Ein Handwerk, das besonders auf Erfahrung beruht. Abgebaut wurde von oben nach unten.
Wolfgang Kostka führt die Gruppe auch an eine „Diebeswand“.  In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier Brauereien  an, sie nutzten die Keller als „Eiskeller“ aufgrund der stets gleichbleibenden Umgebungstemperatur  von 6-9 °C.  Die Idee dazu hatten Mitglieder der Herrenhuter Brüdergemeinde, einer aus dem katholischen Sachsen ausgewiesenen Glaubensgruppe der böhmischen Hussiten. Später waren es insgesamt 28 Brauereien, die bis zur Erfindung der Kältemaschine durch Karl Linde hier ihr Bier brauten. Auch Dortmunder Brauereien waren darunter. 1986 ist mit der Völker-Brauerei  die letzte Brauerei  gegangen. 
Spuren der Brauereien sind überall im Keller gegenwärtig. Nicht nur die Diebeswände, die gegen Bierdiebstahl errichtet wurden. 
Im Bereich eines früheren Gärhauses finden heute  besondere Events statt. Z.B. Konzerte und Feierlichkeiten. Ein Trauzimmer ist eingerichtet und wird auch genutzt.
Ein etwas unschönes Kapitel: Besatzungssoldaten haben  hier unten nach dem 2. Weltkrieg  ihren Müll entsorgt, später wurde diese „Tradition“ bis ca. 1970 von Einheimischen übernommen.  Im öffentlichen Bereich haben jugendliche Ehrenamtliche aufgeräumt, in anderen Kellern ist das nicht der Fall.


  

      

Auch die Film- und Fernsehindustrie hat hier unten gewirkt, Plakate  von „Sterntaler“ und „Vampir,  Drei Schwestern“ weisen darauf hin.  Szenen des Films „Vulkan“ wurden gleichfalls  im Lava- Keller  gedreht.


   

An der Decke erkennt man Kalk-Auswaschungen. Zur Bildung einer Tropfsteinhöhle reichen diese Auswaschungen aber nicht aus.
Wolfgang Kostka wusste über viele weitere Einzelheiten zu berichten. Eine ist hier zum Abschluss wiedergegeben:  Im Forschungsmuseum Alexander König hatte die Exkursionsgruppe einiges über die Beringung von Fledermäusen gehört. Im Lava-Keller ist eine der größten Beringungsstationen in Deutschland. Auf der Grundlage der hier in den Kellern  überwinternden  Fledermäuse.
Die Layer haben früher 12 Stunden hier Basalt-Steine gewonnen.  Wolfgang Kostka ergänzt das einstündige Stundenkontingent der Exkursionsteilnehmer um jeweils 11 Stunden und gewährt allen den Wideraufstieg. Viele nutzten die 150-Stufen-Treppe, einige wenige den Fahrstuhl. Den gab es vor 150 Jahren noch nicht.


   


Mit der Abgabe des Sicherheitshelms endete dieser zweite  Rundgang der Exkursion in die Museumsmeile Niedermendigs.   Anschließend führte Wolfgang Kostka die Gruppe ca. 300 m weiter auf der Brauereistraße in die Museumslay, der dritten Station der Museumsmeile. 


    
   

 


Weblinks

Erlebniswelt Steinzeichen

Herrenhuter Brüdergemeinde


 



Letzte Änderung: 12.07.2018